Der Wert der Handarbeit

Seit 25 Jahren ist sie die einzige Tages-Meisterschule für Tischler in Norddeutschland: die Hamburger Tischler-Meisterschule des ELBCAMPUS. Für die nächsten Jahre hat sich ihr Leiter, Frank Behrens (51), ein großes Ziel gesetzt. Er will der Qualität der Tischlerarbeit zu mehr Ansehen verhelfen. Ein Gespräch über Kreativität, Kunstsinn und den Wert von Handarbeit.

 

Herr Behrens, Sie haben 2014 die Leitung der Hamburger Meisterschule für Tischler übernommen, die vor mehr als 25 Jahren als Gemeinschaftseinrichtung von Handwerkskammer und Innung gegründet wurde. Wo steht die Schule aktuell?

Frank Behrens: Die Schule ist ein gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche Kooperation. Sie verfügt über ein großes Renommee. Mein Vorgänger hat zudem viel Stilkunde unterrichtet, was mir sehr entgegenkommt. Wir haben jedes Jahr etwa 25 Teilnehmer in der Tagesklasse und noch einmal so viele in der Abendklasse. Damit sind wir an der Kapazitätsgrenze. Schließlich wollen wir eine hohe Qualität in der Ausbildung sichern.

 

Wo liegt der Schwerpunkt der Meisterschule Tischler?

Behrens: Ich lege großen Wert darauf, den angehenden Meistern einen Sinn für die Wertigkeit der Dinge beizubringen – für die verarbeiteten Materialien, für ihre eigene Arbeit, für die Baukunst im Allgemeinen. Weniger Möbelbauplatte, mehr Designobjekt. Das war schon immer der Schwerpunkt der Schule, ich baue ihn aus. Denn Stillstand können und wollen wir uns nicht erlauben.

 

Tischlermeister werden heute schon sehr junge Gesellen, deren täglich Brot weniger das kunstvolle Möbelstück als das zu reparierende Fenster ist. Wie bringen Sie denen Stilkunde und Kunst im Allgemeinen näher?

Behrens: Ich zeige ihnen viele Beispiele, auch von Meisterstücken. Mein ganzes Büro ist voll mit Bildbänden über die verschiedenen Epochen. Die Teilnehmer fühlen 400 Jahre alte Holzbohlen oder wie sich ein historischer Hobel schiebt. Ich interessiere mich selbst sehr dafür, lebe meine Kreativität voll aus und kann das wohl auch ganz gut weitergeben. Ich habe ja schon zehn Jahre lang als Dozent am ELBCAMPUS gearbeitet, bevor ich die Leitung der Meisterschule für Tischler übernommen habe. Der ein oder andere geht dann wacher durch die Straßen oder auch mal in eine Ausstellung.

 

Dennoch liegt das Künstlerische nicht jedem, der Tischlermeister werden will.

Behrens: Das ist richtig und auch unproblematisch. Es muss auch gute Fensterbauer geben. Aber Tischler sind eher die feinfühligen Handwerker, die verstehen müssen, wie ihre Kunden harmonisch mit den sie umgebenden Dingen leben können. Sie würden sich wundern, wie viel Kreativität in den meisten schlummert. Die kitzele ich im Laufe der Zeit heraus.

 

Frank Behrens – Dozent und Leiter der Tischlermeisterschule
Frank Behrens – Dozent und Leiter der Tischlermeisterschule

Wie genau machen Sie das?

Behrens: Jeder Teilnehmer muss am Ende ein Meisterstück abliefern. Dafür hat er 180 Stunden Zeit. Wir skizzieren gemeinsam die Ideen und erhöhen Stück für Stück den Schwierigkeitsgrad. Ich bringe den angehenden Meistern bei, wie man Beton gießt oder Granit schneidet und diese Materialien mit Holz verbindet. Oder wie man ein Geheimfach in eine Kommode einbaut, eine gewundene Treppe baut, Intarsien schnitzt. Ich führe die Meisterschüler an ihre Grenzen. Am Ende baut jeder nach seinem Vermögen ein Möbelstück. Da muss man notfalls auch mal einen Schritt zurückgehen, wenn der Schwierigkeitsgrad zu hoch wird. Oder noch mal nachlegen, wenn das Talent durchschlägt.

 

Wenn Sie nun das Talent geweckt haben, hat der junge Meister vielleicht ein neues Problem: Er will und kann hochwertige Möbel bauen, die aber auch ihren Preis haben. Die Mehrheit der Deutschen allerdings kauft billig beim Möbeldiscounter.

Behrens: Ja, das ist wirklich ein Problem. Aber ich habe eine Mission. So wie ich den angehenden Tischlermeistern den Sinn für Qualität wieder beibringe, so will ich diesen auch bei der Allgemeinheit zum Leben erwecken. Dafür ist beispielsweise unsere jährliche Ausstellung der Meisterstücke in der Handwerkskammer gut geeignet. Der Besucherandrang ist groß und viele Stücke werden direkt vor Ort verkauft. Das ist doch ein Anfang!

 

Hinweis der Blogredaktion: In diesem Jahr ist die Ausstellung der Tischlermeisterstücke vom 29. August bis zum 4. September 2016 zu sehen.

Ein Kommentar: On Der Wert der Handarbeit

  • hallo Frank,

    ich freue mich für dich, dass Du so erfolgreich etwas auf die Beine gestellt hast.
    Sicher findest Du trotzdem Zeit, ein laufendes Projekt nun zu Ende zu führen. Die Bikersaison geht in einigen Monaten wieder los und noch haben wir das Bild des Bikes auf dem Hänger vor Augen.
    In der Hoffnung von Dir zu hören,

    herzliche Grüße Gitti (sicher wird Micha sich freuen)

Schreiben Sie einen Kommentar:

Ihre E-Mail Adresse wird nicht öffentlich angezeigt.

schreibt und bloggt schon ihr halbes Leben lang über Menschen, denn jeder hat eine tolle Geschichte zu erzählen. Und über Themen, die diese Menschen beschäftigen, bewegen, weiterbringen. Journalistin und Redakteurin.

Site Footer