Von der Haustechnik in die Halfpipe

Gunther Manke ist so etwas wie ein guter Geist. Am ELBCAMPUS, wo er sich als Mitarbeiter im Team des Facility Managements um den reibungslosen Ablauf von Veranstaltungen kümmert, aber auch in seinem Wohnviertel, wo er seit 15 Jahren ein privates Sportcamp betreibt, das ein beliebter Anlaufpunkt der benachbarten Jugendlichen ist.

Gunther Manke hätte auch Philosoph werden können. Immerhin gehört er zu den eher wenigen Menschen, die die Schriften des antiken Philosophen Platon gelesen und wohl auch verstanden haben. Doch für den Elfenbeinturm ist der 59-jährige Hamburger nicht gemacht. Das Tun liegt ihm mehr als das Reden und so ist Gunther Manke eine Art Philosoph des Praktischen geworden. Tagsüber sorgt er für geordnete Verhältnisse am Harburger ELBCAMPUS. Nach Feierabend betreibt er das private Sportcamp in seinem Luruper Garten – und trägt mit diesem dazu bei, auch die Verhältnisse so manches Jugendlichen aus der Nachbarschaft zu ordnen.

Was an Gunther Manke auffällt, ist seine Drahtigkeit. Die kommt vom Sport, denn Bewegung – am besten täglich und an frischer Luft – ist sein Lebenselixier. Er liebt das Wandern – „da kann man sich so wunderbar ganze Texte überlegen“ – ebenso wie das Kanufahren und Campen ohne viel Gedöns in der Natur. „Meine Frau mag das nicht so, deshalb verreisen wir seit 20 Jahren immer getrennt“, erzählt er. Lediglich die Hochzeitsreise haben die beiden Vielreiser gemeinsam unternommen.

Gunther Manke neigt ganz sicher nicht zum Exzess. Dennoch macht er das, was ihn interessiert, richtig oder gar nicht. Zum Beispiel Sport: Fußball und Schwimmen, Krafttraining, Waldlauf und seit einigen Jahren Skaten. Zwölf Paar Rollerblades nennt Manke sein eigen. „Ich bin ja Autodidakt. Da sind ein paar Fehlkäufe dabei“, erzählt er lachend. Irgendwie passt dazu, dass er kein Auto hat, sondern Fahrrad fährt und dass neben Frau und erwachsenem Sohn auch ein Labrador zur Familie gehört. Hunde halten ja bekanntlich auf Trab.

 

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Drei bis vier Mal pro Woche skatet Gunther Manke im Wilhelmsburger Inselpark.

Vom ZEWU zum Facility Management

Seit 30 Jahren ist dieser Mann Teil der ELBCAMPUS-Familie. Damals kam er zum eben von der Handwerkskammer gegründeten ZEWU, dem Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik. „Das war ein buntes Völkchen am ZEWU“, erzählt er. Leute wie er, der auf dem Abendgymnasium das Abitur gemacht hatte und eigentlich Entwicklungshelfer in Afrika werden wollte. Der sich 20 Jahre lang mit Literatur und schließlich Philosophie beschäftigt hat, Gedichte und Essays geschrieben und die Handwerkskammerzeitung betextet hat, jedoch keine stringente Bildungskarriere vorweisen kann. Der handwerklich geschickt ist, die Arbeit sieht und gleichzeitig über die großen Fragen des Daseins debattieren kann. Gunther Manke bezeichnet sich aus heutiger Sicht selbst als „Faktotum des ZEWU“.

Mit der Gründung des ELBCAMPUS wechselte er ins Facility Management der Bildungsinstitution. 17 Jahre lang war er zudem im Personalrat der Handwerkskammer. „Jetzt sollen mal Jüngere ran“, sagt er und wirkt dabei ein bisschen müde. Kein Wunder. Seit 20 Jahren hat Gunther Manke eine Sieben-Tage-Woche. Neben der Schichtarbeit, die unter anderem durch das Veranstaltungsmanagement am ELBCAMPUS nötig ist, hat er jede freie Minute für die Familie und das Sportcamp gegeben.

Das Sportcamp als Streetworker-Ersatz

Das Sportcamp. Sein Sportcamp. Ursprünglich wollte er ganz allein an den Zugtürmen und Hantelbänken in seinem Garten trainieren. Vor mehr als 20 Jahren war das, lange, bevor Fitnessstudios wie Pilze aus dem Boden schossen. „Die Jugendlichen aus der Nachbarschaft wollten gern mittrainieren“, erzählt Manke. Und weil er ein großes Herz hat, durften sie das auch. Er stellt noch heute Essen und Getränke bereit, zündet hin und wieder ein Lagerfeuer an und feiert Feste mit seinen Jugendlichen. Irgendwann kamen so viele, dass er Öffnungszeiten anschreiben musste. Eine gewisse Zeit lang war Manke so etwas wie der Streetworker seiner Umgebung – ganz ohne Sozialarbeiterausbildung und öffentliche Förderung. Einfach aus Menschenliebe. „Jeder hat so sein Hobby“, sagt er schlicht.

Er konnte immer gut mit den Jungs, auch wenn sie „hart drauf waren“. Heute seien seine jungen Gäste viel „zahmer“. Es kämen auch längst nicht mehr so viele ausschließlich wegen des Gerätetrainings. Das Angebot decken mittlerweile Sportvereine und professionelle Fitnessstudios besser ab. Neue Ideen wie Tischkicker, Billard, eine Schießbude oder die Radiomoderation im hauseigenen Studio brachten ihm neue Besucher.

Aktuell sind die wie von Geisterhand mit Hilfe eines Elektromotors betriebenen E-Longboards, mit denen die Jugendlichen durch die Gegend cruisen, schwer angesagt. „Eine teure Technik, bei der Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sonst nur Zaungäste sind“, sagt Manke. Immer noch kennt er die Geschichten der Kids, von denen die Eltern keine Ahnung haben. Darauf ist er ein bisschen stolz. Und natürlich auf den Kinder- und Jugendpreis, den ihm die Hamburger Bürgerschaft vor einigen Jahren für sein Engagement verliehen hat.

Vielleicht können die Jugendlichen mit ihm auch so gut, weil es Manke irgendwie gelingt, die frühen 90er als „seine Zeit“ mit der Jetztzeit zu verknüpfen. Gerade bastelt er beispielsweise an einem Internetradio. Beim Zusammenstellen der Musikprogramme geht Manke ganz altmodisch vor: Er lädt keine Daten aus dem Internet, sondern als waschechter Musikscout  stöbert er auf der Suche nach originellen Titeln in Hamburger CD-Shops herum bis er fündig wird.  Die Vielfalt und Stilistik der „alternativen“ Musik ist enorm und kommt gut an bei den Jugendlichen. „Meine Platten werden nicht im Mainstreamradio gespielt, haben aber alle Hitqualität“, sagt er. Was Manke macht, muss ein Hit werden – allerdings ein leiser, abseits des Mainstreams.

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schreibt und bloggt schon ihr halbes Leben lang über Menschen, denn jeder hat eine tolle Geschichte zu erzählen. Und über Themen, die diese Menschen beschäftigen, bewegen, weiterbringen. Journalistin und Redakteurin.

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