Der Hobby-Bonsaizüchter André Bähr unterrichtet am ELBCAMPUS technische Kommunikation und 3D-CAD Konstruktion.

Der mit den Bäumen spricht

Wenn André Bähr nicht gerade werdenden Meistern technische Kommunikation und 3D-CAD Konstruktion beibringt, pflegt er seine Bäumchen. Er ist ein Bonsai-Züchter.

Meisterschüler am ELBCAMPUS kennen André Bähr als Dozenten. Seit fast fünf Jahren bringt der 32-jährige Feinmechanikermeister angehenden Meistern seines Faches das computergestützte Zeichnen und Konstruieren bei. „Technische Kommunikation“ heißt das in der Fachsprache. Bähr zeigt den Kursteilnehmern allerdings nicht nur, wie sie Werkstücke mit Hilfe von Inventor am PC konstruieren können. Von der Idee bis zum fertigen Meisterstück hilft er mit seinem Know-how. „Für technisches Zeichnen und räumliche Darstellungen habe ich ein Faible“, erzählt Bähr. Er könne sich gut vorstellen, wie ein Produkt am Ende aussehen wird. Träumen nennt er das. Andere würden es Talent nennen, vielleicht sogar künstlerische Begabung. Doch für die freie Kunst ist der gebürtige Erfurter viel zu bodenständig.

Er erzählt ruhig, der große, schlanke Mann mit dem sorgfältig in Form geschnittenen Bart und den warmen braunen Augen. Er hat mal gemalt, ja. „Aber das habe ich nicht vorangetrieben“, sagt er. Kein Bedauern, keine Aufregung. Das Technisch-Konstruktive sei es eher, was ihn fasziniere. Man muss das wissen, um zu verstehen, wie ein junger Mann auf das Hobby kommt, das Andre Bähr umtreibt. Antreibt. Vorantreibt. Er züchtet in seiner Freizeit Bonsais. Das ist künstlerische Freiheit in strengen Grenzen.

Chinesische Mönche kultivierten die Minigärten zuerst

Wohl jeder hat eine Vorstellung von diesen „Miniaturbäumen in Schalen“, wie das japanische Wort übersetzt heißt. Ein aufwändig zurechtgestutztes Bäumchen, meistens s-förmig gewachsen und irgendwie ein bisschen kompliziert in der Pflege. Was früher den Reichen und Mächtigen als Statussymbol vorbehalten war, wird heute schon als – etwas teurere – Massenware in Baumärkten und Einrichtungshäusern angeboten.

Diese Bäumchen jedoch haben nichts mit dem zu tun, was chinesische Mönche einst mit ihrer Zucht bezweckten: die möglichst naturgetreue Abbildung realer Landschaften en miniature. Der Minibaum war da nur Mittel zum Zweck. Erst die Japaner haben die Gartenkunst auf den Baum reduziert und die Pflanze perfektioniert. Da wachsen nun also Kaskaden und Windgepeitschte, Literaten und Felsen und natürlich die berühmten Moyogi, was so viel wie „frei aufrecht“ Wachsende heißt und eben jene bekannte S-Form ist.

Mit Geduld zum fertigen Baum

André Bähr hat lange gebraucht, bis aus seinem Interesse an diesen Bäumchen ein echtes Hobby wurde. Zehn Jahre lang hat er immer wieder Sämlinge im Wald ausgegraben und auf der heimischen Fensterbank in Töpfen wachsen lassen. „Da gab es viele Tote“, erzählt er lachend. Erst das Internet hat ihn zum Baumkünstler gemacht. In einem Bonsai-Fachforum und anschließend in vielen Kursen habe er einiges an Fachwissen gesammelt. Schon bald überlebten die Pflänzchen.

 

André Bähr unterrichtet am ELBCAMPUS technische Kommunikation und 3D-CAD Konstruktion.
André Bähr unterrichtet am ELBCAMPUS technische Kommunikation und 3D-CAD Konstruktion.

 

Inzwischen wachsen etwa 35 Bonsai in einem versteckten Garten – Bonsais sind begehrte und teure Sammlerobjekte – zu ihrer endgültigen Gestalt heran. Die ersten sind in ein, zwei Jahren „fertig“. Zehn Jahre ungefähr wird Bähr diese Bäume dann gehegt und gepflegt haben. Gießen und düngen sind dabei nur die eine Seite. Auf eine erfolgreiche Zucht kommen mindestens zehn Misserfolge. Die andere Seite jedoch heißt: das besondere Merkmal des Rohlings erkennen, es fördern, ausbauen und stabilisieren. „Mich interessiert nicht der perfekte Baum, sondern sein Makel“, bringt es André Bähr auf den Punkt.

Und so hat das, was in Bährs Garten heranwächst, mit den strengen Formen der Japaner und Traditionalisten wenig zu tun. Seine Feldahorn und Waldkiefern, Wacholder und Perückensträucher wachsen in der so genannten Europäischen Form, einem eher naturalistischen Stil wie ihn der Münchner Bonsai-Guru Walter Pall vorantreibt. Die natürlichen Formen und Fehler des Baumes werden in ihrem Wachstum unterstützt. Damit ist Bähr auf Wettbewerben ein Außenseiter. Noch, wie er sagt. Denn auch die traditionalistisch ausgerichteten Bonsai-Züchter können sich diesem Trend nicht verschließen.

Irgendwann, so hofft Bähr, werde er mit diesen Bonsais und seinem gesammelten Wissen auch Geld verdienen. Seminare geben, sein Know-how weiterreichen. Bonsai-Züchter sind geduldige Menschen. Andre Bähr ist solch ein Bonsai-Züchter.

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